Auf der Suche nach irischen Einhörnern – Irisch lernen in Oideas Gael

„Tá sé a lán caoraigh i nGleann Cholm Cille.” (In Gleann Cholm Cille gibt es viele Schafe.) Das war einer der ersten Sätze, den wir im Unterricht in Gleann Cholm Cille gelernt haben. Die Aufgabe – beschreibe deinen ersten Eindruck von GCC.

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Die Ankunft – von Dublin zu Schafen

Diesen Sommer war ich, dank eines Stipendiums, eine Woche in der Sprachschule Oideas Gael, um Irisch zu lernen und mit etwas Glück ein paar irische Einhörner (= irisch Muttersprachler) aufzutreiben. Da GCC etwas abgelegen ist, habe ich zuerst ein paar Tage in Baile Átha Cliath (Dublin) verbracht – der Unterschied könnte nicht größer sein. Am Samstag Morgen ging es von BAC aus los nach Dun na nGall (Donegal). Zuerst gab es richtige Autobahnen und einen großen Bus. Nach den ersten zwei Stunden Fahrt wurde unser Bus mit einem anderen zusammengelegt, da in beiden Bussen nur noch sehr wenige Fahrgäste übrig waren. Auch die Straßen wurden spürbar kleiner und uns kamen immer weniger Autos entgegen. Der Bus, der dann von Dun na nGall aus nach GCC fuhr, war nur noch halb so groß. Nach der Hälfte der Strecke, in Na Cealla Beaga (Killybegs), mussten wir allerdings wieder aussteigen und der Bus wurde wieder eine Nummer kleiner. Nach ein bisschen Stauraumtetris konnte der Busfahrer aber doch noch die letzten drei Koffer der Sprachschüler unterbringen. Sonst war keiner mehr unterwegs. Ab Na Cealla Beaga kamen uns auf der Straße dann hauptsächlich Schafe entgegen. In GCC angekommen, wurden wir auf Gastfamilien bzw. die Selbstversorgungshäuser verteilt. Alle Läden (alle beide) waren natürlich schon zu und Abendessen gab es nur, wenn man daran gedacht hatte in Dun na nGall etwas mitzunehmen.

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Der Sprachkurs – sogar Irisch kann man lernen!

Am ersten Tag musste ich mich selbst in einen Kurs einsortieren. Nach der Einweisung auf Irisch (von der ich in etwa „Hallo“ verstanden hatte), habe ich mich sehr optimistisch in Rang a trí (Level 3) einsortiert. Schließlich wollte ich auch etwas lernen! Nach der ersten Stunde nicken und lächeln war ich gerade auf dem Weg nach vorne, um Feena, unserer Lehrerin, mitzuteilen, dass ich nach unten wechsele, als sie meinte: „Du schaffst das schon.“ Am Ende hatte sie recht, aber die ersten Tage waren sehr anstrengend. Am ersten Tag beschränkte sich der Unterricht im Wesentlichen auf exakt die Fragen, die ich aus dem Buch schon kannte (Wie heißt du? Woher kommst du?). Ab dem zweiten Tag wurden die Themen allerdings kreativer (Was hast du heute zum Frühstück gegessen? Was magst du an GCC?) und die Standardantworten aus dem Buch reichten leider nicht mehr aus. Nach einem kurzen Moment der Panik, warum nochmal hatte ich mich direkt neben die Lehrerin gesetzt??, ging es glücklicherweise doch gegen den Uhrzeigersinn los und in den 5 Minuten, bis ich dran war, konnte ich nochmal überlegen, was eigentlich Brot, Butter, Ei und Marmelade heißt. Und wie man einen Satz bildet. Es ist schon ein tolles Gefühl den ersten, richtigen, eigenen Satz auf Irisch gesagt zu haben! Der Unterricht lief im Wesentlichen komplett auf Irisch. Ab und zu erklärte uns Feena Grammatik und bestimmte Satzstrukturen auf Englisch, aber erst wenn wir nach dem dritten Versuch auf Irisch immer noch nichts verstanden hatten. In den ersten Tagen also etwas häufiger. Glücklicherweise gab es zwischen den Stunden regelmäßig Pausen, in denen wir entspannt Englisch reden konnten. Nur die Übermotivierten und Muttersprachler im Auffrischungskurs (und natürlich die Lehrer) haben konsequent Irisch geredet. Ab dem dritten Tag konnte ich mein Getränk in der Pause korrekt auf Irisch bestellen – und das ganz ohne Vokabelblatt! Und am vierten Tag konnte ich drei Fragen von Feena einfach so hintereinander beantworten, ohne nachzufragen! Bei der vierten bin ich dann leider gescheitert, trotz mehrfacher Umformulierung und Teilübersetzung. Trotzdem konnten wir uns fast unterhalten. Man muss sich über die kleinen Dinge freuen!

Nach dem Unterricht gab es eine Pause zur Erholung (sehr notwendig) und zum Abendessen, bevor das kulturelle Abendprogramm startete. Das Programm war jeden Tag anders, von Tanzen über Singen zu Poesie war alles dabei. Glücklicherweise waren auch die Anfänger immer dabei, weshalb alles auf Irisch erzählt und dann noch übersetzt wurde. Wer nach 5 intensiven Stunden Irisch pro Tag genug hatte (oder eventuell noch leichte Verständnisprobleme hatte), konnte also trotzdem gut mitmachen. Danach ging die Gruppe im Normalfall geschlossen in einen der beiden Pubs, was ich wegen der Anstrengung allerdings erst am dritten Tag mitbekommen habe. Jeden Abend spielte eine andere Gruppe live typische irische Musik und die musikalisch Begabten konnten sich problemlos mit einbringen.

Die Zeit nach der Sprachschule

Aber in Gleann Cholm Cille gibt es nicht nur Schafe und Unterricht! Neben der Sprachschule, dem wunderschönen Strand und einigen Menschen gibt es auch zwei Pubs (die allerdings nur zur Sprachschulsaison durchgehend geöffnet sind) und zwei Läden. Bis zwei Tage vor meiner Ankunft gab es sogar noch eine Post, aber leider ist der Angestellte dann in Rente gegangen. Es gibt einige interessante Orte, die man zu Fuß erreichen kann, zum Beispiel die Kirche, den ehemaligen Wachturm oder den Aussichtspunkt auf dem Hügel. Eine Attraktion, die viele Touristen anlockt, ist An Cláchán (The Folk Village). Dort ist in fünf Häusern ein traditionelles Dorf nachgebaut.

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Wenn, wie dieses Jahr, das Wetter wunderschön ist, empfiehlt es sich sich mit Iren anzufreunden – die haben im Normalfall ein Auto dabei und nehmen gern andere mit auf Ausflüge in die traumhafte Umgebung. Neben Stränden und natürlich ganz vielen unterschiedlichen Schafen ist auch Sliabh Liag (Slieve League) in einer halben Stunde erreichbar. Das sind eine der höchsten Klippen in Europa und der Ausblick ist beeindruckend. Auf dem Weg dahin kommt man noch an einigen anderen schönen Orten vorbei, wie dem Fischerort Tealinn. Bei ruhiger See kann man von dort aus mit dem Boot nach Sliabh Liag fahren und die Klippen von unten anschauen.

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Wer Geld abheben möchte, muss dafür nach Na Cealla Beaga oder direkt nach Dun na nGall fahren. Glücklicherweise habe ich diese Information noch 10 Minuten vor Abfahrt des Busses in Donegal bekommen und konnte noch schnell zum Geldautomaten rennen. Man kann zwar mal eben mit dem Bus eine halbe Stunde nach Na Cealla Beaga fahren, aber der fährt mit viel Glück zweimal täglich.

Insgesamt kann ich sowohl den Sprachkurs, als auch ihn in GCC zu machen, nur empfehlen. Die im Unterricht gelernten Vokabeln und Grammatik sind eine gute Basis, um dann endlich sprechen zu lernen. Feena zumindest war absolut gnadenlos (erstaunlicherweise auf sehr freundliche und positive Art) und hat uns gezwungen alles immer auf Irisch zu sagen und alle Fragen auch zu beantworten – das hat es sogar den Schüchternsten unter uns unmöglich gemacht sich zu verstecken und zumindest mein Irisch hat sich in dieser einen Woche extrem verbessert. Auch die anderen Lehrer waren immer motivierend, freundlich und kompetent. Auch die ruhige Umgebung hilft, um sich nach dem Unterricht etwas zu erholen und die Eindrücke besser zu verarbeiten. Es ist sehr entspannend einer Herde Schafe beim Grasen zuzusehen. Ich habe tatsächlich auch drei irische Einhörner kennengelernt, allerdings sind sie momentan noch etwas scheu. Die Woche hat mich so beeindruckt, dass ich mich selbst mit mehreren Monaten Abstand noch nicht kurz fassen kann. Wenn ihr die Gelegenheit bekommt mit einem Stipendium nach Irland zu fahren, nutzt sie! Es lohnt sich! Nächsten Sommer werde ich auf jeden Fall versuchen wieder hinzufahren. Die schönsten Fotos der Umgebung habe ich in diesem Video zusammengestellt. [https://www.youtube.com/watch?v=jNgP3SG6lpg]

Sarah Jost (c) ERIU Leipzig 2016

 

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