Ein Sommer in Auchindrain

Im Sommer 2019 erhielt ich die Möglichkeit von Anfang Juli bis Mitte September ein Praktikum im Freilichtmuseum „Auchindrain“zu absolvieren, der einzigen crofting townshipin Schottland, welche die Highland Clearancesdes 18. und 19. Jahrhunderts in dessen ursprünglichen Form weitestgehend unversehrt überstanden hat. Auf der Website, den Verkehrsschildern und den Tablets wird es auch als Achadh an Droighinnvorgestellt, „The Blackthorn Field“.

Die Auchindrain Trust Foundation bietet jeden Sommer 5 Studenten die Möglichkeit an, ihre Kenntnisse schottischer Geschichte und der Museumskunde zu vertiefen. Ich habe vor Ort, zusammen mit Jeny (Niederlande, Evergreen State College USA), Lily (England, Oxford University), Mari (England/Jamaika, Durham University) und Ellie (Wales, Oxford University), als WG in einem geräumigen „Wohnwagen“ gelebt und jede von uns bearbeitete ein persönliches Projekt.

Die 5 Praktikantinnen (von links nach rechts): Kathi, Jeny, Lily, Mari und Ellie mit den Farmhennen

Mein Projekt war es, die Genealogie einer der Munro-Familien auszuarbeiten, deren letzte Mitglieder 1937 Auchindrain verließen. In einem Interview von 2011 zwischen dem Direktor Bob Clark und den Schwestern Flora und „Morag“ Munro, die in Auchindrain geboren wurden, erzählten die Beiden, dass die Generationen ihres Vaters und Großvaters vorwiegend Gälisch gesprochen haben. Viele der Spitznamen im frühen 20. Jahrhundert waren ebenfalls gälischen Ursprungs und es wird angenommen, dass einige Mitglieder des Dorfes es bevorzugten sich auf Schottisch-Gälisch zu unterhalten. „Morag“ ist zum Beispiel der Spitzname für Sarah Elizabeth Munro, welcher als gälisches äquivalent für Sarah benutzt wurde. Duncan Munro (*1786–†1857), ein Steinmetz aus Auchindrain, wurde „Stoner“ genannt und seine Nachfahren genauso: Duncan „Stoner“ Munro (*1857–†1937), Malcolm A. Munro, der „Cally Stoner“ genannt wurde (*1896 – †1955), und dessen Bruder Duncan Neil Munro (*1902–†1986), der einfach nur als „Stoner“ bekannt war. „Stoner“ wurde als direkte Übesetzung des gälischen Wortes „clachair“ benutzt. Auch die weise Frau des Dorfes, Isabella MacCallum, wurde meistens bei ihrem Spitznamen Bell a’Phuil genannt.

Außerdem haben wir in der zweiten Woche unseres Aufenthalts einen Gälisch-Anfängerkurs von Àdhamh Ó Broin, einem Berater für Schottisch-Gälisch und dessen Dialekte, gemacht. Àdhamh hat unter anderem die Übersetzungen für die Serie „Outlander“ geschrieben und spricht mit seinen Kindern meistens auf Schottisch-Gälisch. Da es nur eine kleine Einführung in die Sprache war, war mir der Inhalt des Kurses bereits bekannt und ich konnte mich später mit Àdhamh über die Unterschiede zwischen Schottisch-Gälisch und Irisch-Gälisch unterhalten.

            Des Weiteren haben wir die Frauen der Sgioba Luaidh Inbhirchluaidh, der Inverclyde Waulking Group, getroffen, die in Martin’s House jeden Monat einmal zeigen, was „Waulking the Cloth“ ist und wie Schafwolle verarbeitet wurde. Dabei singen sie gälische Arbeitslieder, wie zum Beispiel „Air far al al o“ oder „Rinn mi moch-éirigh gu éirigh“, um im Rhythmus zu bleiben.

Die Frauen von Sgiobha Luaidh

Zusammen mit unserem Aufenthalt in Auchindrain durfte jede von uns zwei Wochen in Port Charlotte auf Islay verbringen, um dort im „Museum of Islay Life“ auszuhelfen. Dort wurde jedem von uns ein individuelles Kurzprojekt übergeben und die Möglichkeit gegeben, sich mit der Insel – die in den meisten Fällen durch ihre Distillerien wie Ardbeg, Bowmore oder Laphroaig bekannt ist – und deren Geschichte auseinanderzusetzen.

Blick auf Port Charlotte mit einem Teil der „Oa“ im Hintergrund

An schönen Tagen soll man von Portnahaven aus auf Nordirland blicken können und manchmal ist es anscheinend möglich, einen Teil von Donegal zu sehen. Islay ist für die Verbindung zwischen Schottland und Irland von historischer Bedeutung. Im 6. und 7. Jahrundert erstreckte sich das Dáil Riataüber Teile Nordirlands und der westschottischen Küstenlandschaft, zu der sowohl Islay als auch das heutige County Argyll & Bute zählt. Außerdem war Finlaggan der Sitz der Lord oft he Isleszwischen dem 13. und 15. Jahrhundert –  und später ebenfalls von Clan MacDonald. Überreste des keltischen Einflusses sind in archäologischen Funden und Monumenten oder Gebäuden wieder zu finden, wie zum Beispiel in den Highcrosses von Kilnave oder Kildalton.

In der Nähe von Bowmore befindet sich das Ionad Chaluim Chille Ìle, welches 2002 gegründet wurde und nicht nur Gälischkurse anbietet, sondern auch einen Bachelorstudiengang in Partnerschaft mit der Sabhal Mòr Ostaig auf der Insel Skye. Schottisch-Gälisch schien auf Islay eher benutzt zu werden, vor allem von älteren Generationen, als auf dem Festland von Schottland und wird in den Schulen gelehrt.

Katharina Seel © ERIU Leipzig 2019


Katharina wirkte bereits bei der Gründung ERIU Leipzigs im Jahr 2015 mit und studierte an der Universität Leipzig unter anderem Irisch. 

 

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